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Kulturverein Neckargemünd e.V.

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Verkauf des "Alten Grundbuchamtes" in der Hauptstraße 23 in Neckargemünd

Offener Brief an Herrn Bürgermeister Horst Althoff:

Die Veröffentlichung im Neckarboten, den Verkauf des Anwesens Hauptstraße 23 mit Museumsgarten betreffend, veranlasst mich, als Bürgerin der Stadt Neckargemünd und auch als Leiterin des Arbeitskreises Museum im Kulturverein mein Unverständnis über diesen "Ausverkauf" und auch über die Informationspolitik der Stadt zum Ausdruck bringen.

Vor fast zehn Jahren wurden beträchtliche öffentliche Mittel in eine "Zukunftswerkstatt" investiert und Vereine und Bürger in den Stadtmarketingprozess mit eingebunden. Daraus entstand das im Jahr 2003 veröffentlichte Stadtleitbild, auf das ich mich im Folgenden auch mit einigen prägnanten Zitaten beziehen werde.
Als wichtige Standbeine für ein konkurrenzfähiges Neckargemünd wurden die Bereiche Kultur und Tourismus bestätigt. Die Stadt müsste ihr eigenes Profil stärken, also ihre unverwechselbaren Vorzüge "offensiver vermarkten" und die "Säulen Landschaft, Kultur und Historie" bestmöglich ausbauen.
Mitglieder der Arbeitskreise Reichenstein/ Denkmalschutz und Museum entwickelten auf Ihre Bitte hin ein Konzept für ein "Museumszentrum Altstadt", das im Stadtleitbild als wichtiger Ansatz für die Verbesserung der innerstädtischen Infrastruktur aufgegriffen wurde.
Doch scheint dieses Konzept (und vielleicht auch das Stadtleitbild selbst) in den vergangenen Jahren bei Planungsgesprächen ganz von den Tischen der Entscheidungsträger verschwunden zu sein.
Wie sonst ließe sich erklären, dass auch einfachste Verbesserungen (heller, behindertengerechter Eingangsbereich für Museum/Bücherei, Räumung eines Abstellraumes im Erdgeschoss zwecks Umwandlung in einen Aktionsraum etwa für museumspädagogische Angebote, nach denen bei jungen Familien eine große Nachfrage besteht) selbst mit Blick auf das Jubiläum "25 Jahre Museum im Alten Rathaus" im Jahr 2013 immer noch auf sich warten lassen?
Und dass nun sogar die letzten städtischen Gebäude und Grundstücke in strategisch wichtiger Lage veräußert werden, mit deren "gezielte(r) und standortgerechte(r) Nutzung" doch eigentlich die Stadt Einfluss auf die Gestaltung dieses zentral gelegenen Areals hätte nehmen können?
Maklerbüros, Kanzleien oder Versicherungen werden aus der Altstadt keinen attraktiven "Kultur- und Freizeitstandort" machen, die Entwicklung des Pflughofgeländes könnte eine Lehre sein…
Mit Entsetzen ist gerade im Arbeitskreis Museum die Tatsache aufgenommen worden, dass auch das Kleinod Museumsgarten, dieser grüne Ruhepol in der eng bebauten Altstadt, aufgegeben werden soll. Hier fanden Museumsfeste, kleine Konzerte und Ferienprogramme statt. Viele Besucher wussten das lauschige Plätzchen zu schätzen, bevor es vorübergehend für Kinderbetreuung genutzt wurde. Für letzteres hatte man durchaus Verständnis, übte sich in Geduld und ging nach Ihrer persönlichen Zusicherung davon aus, dass weiterhin Konsens über die langfristige kulturelle Verwertung des Areals (ehemaliges Grundbuchamt, Altes Finanzamt, Museumsgarten) bestehe.

Weder die Museumsleitung noch die Aktiven im Kulturverein sind jedoch von den neuen Planungen und der Veräußerung der drei genannten Objekte offiziell in Kenntnis gesetzt worden.
Soviel zu der auch im Leitbild erwähnten "Qualität der Kommunikation zwischen Stadt und Bürger".
Zu dieser Vorgehensweise passt leider auch die Art und Weise, wie ernsthafte Bemühungen der Bürger für den Erhalt der Villa Menzer und des Menzerparks mit Argumenten vom Tisch gewischt werden, dass Kultur sich nicht trägt oder das Konzept nicht ausgereift ist. Vorschläge werden schwerlich ausreifen, solange von offizieller Seite kein eindeutiges Signal zur Unterstützung erfolgt, stattdessen sogar nicht ernst gemeinte "Schnapsideen" wie die Nutzung der Villa als Spielcasino ihren Weg in die Tagespresse finden können, als ginge es um Karneval und nicht um die Zukunft Neckargemünds als ernstzunehmender Standort von Kultur, Tourismus und Lebensqualität.
Die oft beklagte Abwanderung von Einwohnern und Besuchern zwecks Erholung, Unterhaltung und kultureller Erlebnisse nach Heidelberg, Mannheim oder in die anderen "Romantischen Vier" Neckarsteinach, Hirschhorn und Eberbach wird so geradezu provoziert. Hinsichtlich großer Visionen für die Zeit nach Öffnung der Umgehungsstraße, das Bestmögliche aus Stadtbild, Aufenthaltsqualität und touristischem Potenzial zu machen, kann man die jüngsten Beschlüsse der Entscheidungsträger nur als kontraproduktiv bezeichnen.

Ade, Neckargemünd, du charmante, unverwechselbare "Keimzelle für Kunst und Kreativität" mit einer "Vielzahl von Entwicklungsperspektiven"!
Vielleicht auch bald: ade, Bürgerengagement?

Birgit Oberweis, Leiterin Arbeitskreis Museum im Kulturverein Neckargemünd e.V.
21.03.2011