Kulturverein Neckargemünd e.V.

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Zur Geschichte der Burg Reichenstein

Die auf dem Nordende des Berges Hollmuth über Neckargemünd gelegene Burg Reichenstein, von der heute nur noch Mauerreste zu sehen sind, wurde wohl zu Beginn des 13. Jahrhunderts errichtet. Eine genaue Datierung ist sowohl für die Errichtung als auch für die Auflassung der Burg nicht möglich.
Sicherlich ist sie im Zuge der staufischen Territorialpolitik erbaut worden und war Reichsburg. 1292 erfolgt die urkundliche Ersterwähnung. Albrecht von Habsburg versprach dem Pfalzgrafen Ludwig II. u.a. Anrechte auf die Reichsburg Reichenstein, wenn der Pfalzgraf ihm bei der bevorstehenden Königswahl seine Kurstimme erteilen würde. Die Wahl fiel aber auf Adolf van Nassau und die Burg blieb in Reichsbesitz.
In ihrer weiteren Geschichte ist die Burg zusammen mit der Stadt Neckargemünd ein beliebtes Pfandobjekt der deutschen Könige. So erlaubte 1329 Kaiser Ludwig der Bayer seinen Neffen, den Pfalzgrafen Rudolf II. und Ruprecht I., das Pfand auszulösen. Die Burg Reichenstein und die Stadt Neckargemünd wurden somit Reichspfand in der Hand der Pfalzgrafen und wurden in das kurpfälzische Territorium eingegliedert.

1355 wurde die Burg zum letzten Mal urkundlich erwähnt.
Im 14. Jahrhundert geht die Bedeutung und die Aufgabe der Burg als Verteidigungsbauwerk und als Verwaltungsmittelpunkt des unteren Elsenztales verloren.
Von der Burg Reichenstein konnte man in drei Täler Einblick nehmen: ins Neckartal, ins Elsenztal und ins Wiesenbacher Tal. Sie wurde auf den Felsplateau des Hollmuthrückems gebaut und war von diesem durch einen Halsgraben abgetrennt. Die erhaltenen Reste der Ringmauer lassen einen annähernd rechteckigen Grundriss erkennen, der an die Topographie des Geländes angepasst wurde.
Die Burg Reichenstein gehört, wie Ihr Grundriss vermuten lässt, zu dem Typus Wehrburg, dem verbreitesten Burgentyp des 13. Jahrhunderts in Süddeutschland. Diese Burgen wurden als relativ enge Burganlagen und im Vergleich zur Holz- und Bruchsteinbauweise der vorausgehenden Jahrhunderte, in aufwendiger Steinbautechnik errichtet. Die wichtigsten Bauwerke der kleinen, mittelalterlichen Wehrburganlagen sind Ringmauer, Bergfried, Wohngebäude und Burgtor, wobei der Bergfried auch durch eine hohe Schildmauer ersetzt sein kann.
Die sichtbaren Mauerreste auf dem Gelände der Burg Reichenstein lassen nicht erkennen, wo sich die mittelalterlichen Gebäude befunden haben. Reste einer Ringmauer haben sich um das innere Plateau der Burganlage erhalten. Besonders gut erhaltene Mauerzüge befinden sich an der südlichen Westmauer (bis in den Torbereich), an der Südmauer und an dem südlichen Bereich der Ostmauer.
Durch bauliche Veränderungen im gesamten Burggelände, die im 19. und im 20. Jahrhundert vorgenommen wurden, hat die erhaltene Burgruine viel von ihrem eigentlichen Charakter verloren. Vor allem die Terrassenanlagen um die Mauerreste verhindern, dass der Eindruck der wehrhaften Burganlage erhalten geblieben ist.

Literaturhinweise:
Günther Wüst, Tausend Jahre Neckargemünd 988-1988, Neckargemünd 1988
Johannes Haasemann, Die Burg Reichenstein, Neckargemünd 1991 (Archiv Kulturverein Neckargemünd e.V.)
 

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